Löwen-Vorwort: Geschäftsführer Manfred Stoffers zum Spiel gegen St. Pauli
Liebe Löwenfans,
bei uns geht nichts ohne Aufregung. Monatelang schneidern wir an einem Jubiläumstrikot und ebenso lange basteln wir an einer Jubiläums-Trikot-Collage, setzen unseren Ausrüster unter Lieferdruck und treiben ihn damit fast zur Verzweifelung. Denn schließlich soll das schönste Jubiläumstrikot der Liga fertig sein, wenn unser Lieblingsgegner zu uns kommt, um von uns besiegt zu werden.
05.03.2010
Und was passiert kurz vorher? Wie von Geisterhand fliegen Feuerzeuge auf Spielfeld und Torwart. Wie vom bösen Geist getrieben rennen zwei Fans erst auf den Schiedsrichter zu und ihn dann fast über den Haufen. Der Schiedsrichter bleibt stehen, aber das Sportgericht fällt eine harte Entscheidung. Das Spiel der beiden Altersjubilare St. Pauli (100) und 1860 München (150), droht ein Geisterspiel zu werden.
Nach einer langen Woche, die Verein und Fans mit einem gefühlten Ruhepuls von 180 und stündlichen Herzattacken durchlitten, kommt dann endlich ein salomonisches Urteil vom Sportgericht: Ihr dürft vor Publikum spielen, zwar nicht vor allen Fans, die Euch sehen wollen, aber doch vor den treuesten der Treuen. So ist es mal wieder um Löwen-Barthaares-Breite gutgegangen.
Wer die Geschichte unseres Vereins kennt, der weiß, es war immer so. Wir waren mal der reichste Sportverein der Stadt. Es dauerte nicht lange und wir stürzten ins finanzielle Elend, allerdings ohne darin umzukommen. Auch gab es mal eine Zeit, da konnte uns kaum ein anderer sportlich das Wasser reichen. Einige Zeit später waren wir dankbar für jeden Tropfen Wasser, der uns vorm Verdursten rettete. Kurz und knapp: Die Geschichte des TSV München von 1860 war ein ständiges Hin und Her und Auf und Ab. Für die Vereinsmitglieder und die Freunde des Vereins war und ist es immer ein Wechselbad der Gefühle.
Wahrscheinlich ist es dieses Wechselbad, das unseren Verein seit 150 Jahren in Bewegung und jugendlicher Frische hält. Ist auch kein Wunder, denn schließlich wurde die wundersame Wirkung von Wechselbädern zwar nicht exakt 1860, sondern ein paar Tage früher oder später von dem inzwischen unsterblich gewordenen Pfarrer Sebastian Kneipp entdeckt.
Die kalte Dusche hatten wir letzte Woche. Nach Pfarrer Kneipp wäre es jetzt an der Zeit für eine wohltuend warme Dusche mit drei Punkten - und zwar im schönsten Jubiläums-Trikot der Liga.
Mit besten Grüßen
Manfred Stoffers
Geschäftsführer