Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde am Samstag, den 8. Oktober 2005 auf dem Gelände der Allianz Arena eine Katastrophenschutzübung durchgeführt.
Das Szenario ist Schrecken erregend und im Beamten-Deutsch heißt es schlicht „Explosion einer USBV“, also einer „unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung“, auf einer der Tribünen der Allianz Arena mit 300 Verletzten. Ein Glück nur, dass eine solche Katastrophe nicht der Realität entspricht, sondern die knappe interne Anweisung des Kreisverwaltungs-Referates, Fachbereich Katastrophenschutz, für eine Übung in der Allianz Arena ist.
Im Rahmen intensiver Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, mit sechs Partien in der Allianz Arena, muss schließlich verstärkt die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen, der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Kräfte des Polizeipräsidiums München erprobt werden. Deshalb fand am vergangenen Samstag eine solche, fünfeinhalb Stunden dauernde, Katastrophenschutzübung statt.
Dabei wurden insbesondere die erarbeiteten Konzepte der Berufsfeuerwehr München bei einem solchen Massenanfall von Verletzten (MANV), der Verkehrslenkung, der Versorgung und dem Transport der Verletzten in die Krankenhäuser sowie Heranführung externer Einsatzkräfte geübt. Zudem wurden alle Übungsteilnehmer bzw. Einsatzkräfte eingehend über die Katastrophenkonzepte der Landeshauptstadt und über die räumliche Lage von Bereitstellungsräumen, Fanparks und Kliniken informiert.
Zunächst fand im Zuge dessen eine Übungseinweisung im Rahmen einer Pressekonferenz statt. An dieser Einweisung nahmen der Staatssekretär des Inneren Georg Schmid, der Bürgermeister Hep Monatzeder, der Münchner Kreisverwaltungsreferent Dr. Wilfried Blume-Beyerle, der Leiter der Branddirektion Leitender Branddirektor Dipl. Ing. Wolfgang Schäuble und der Geschäftsführer der Allianz Arena München Stadion GmbH, Peter Kerspe.
Den ersten schwerverletzten Patienten verlud man bereits nach 25 Minuten in einen Rettungswagen zum Abtransport in eine Klinik, was die Erwartungen übertraf. Die selbst gestellte Vorgabe, alle Verletzten nach vier Stunden in Krankenhäuser verbracht zu haben unterschritt manbei weitem. An der Übung mit 300 verletzten "Fußballfans" waren insgesamt 1800 Helfer der Feuerwehr, der verschiedenen Hilfsorganisationen, des Technischen Hilfswerkes und der Polizei beteiligt.
Die Stimmen zur Übung:
Dr. Wilfried Blume-Beyerle (KVR-Chef): „Die Vorbereitungszeit für die gesamte Übung lag bei einem halben Jahr. Wir haben den Katastrophenfall bei einem WM-Spiel durchgespielt, und die Ergebnisse sind durchaus positiv. Jedoch war noch nicht alles perfekt. Was aber auch gut so ist, da wir ja sonst keine Übung hätten abhalten müssen. Ganz besonders freut es mich aber, dass Gäste aus den anderen WM-Städten hier nach München gekommen sind um sich Tipps zu holen.“
Dipl. Ing. Wolfgang Schäuble (Leiter der Branddirektion und Leitender Branddirektor): „Das erarbeitete Sicherheits- und Behandlungskonzept für die Allianz Arena ist sehr gut, auch der Abtransport der verletzten in den steilen Rängen auf Ebene 6 hinunter auf die Ebene 2 erfolgte mit den Bergetüchern besser als gedacht. Der erste Schwerverletzte hat innerhalb von 25 Minuten das Krankenhaus zur Behandlung erreicht, und das für so ein Projekt eine sehr gute Zeit. Allerdings ist der Analogfunk der Rettungskräfte aufgrund der großen Bereiche an die Grenzen gestoßen, auch müssen die Behandlungsplätze optimiert werden.“
Jens Viering (Polizeivizepräsident): „Bei den Einheiten der Kriminalpolizei ist die analoge Funktechnik komplett ausgefallen, hier konnten die Beamten mit den Geräten nicht mehr arbeiten. Als Ersatz für die Kommunikation dienten hier die Dienst-Mobiltelefone, somit konnte die Arbeit fortgesetzt werden, was aber den Nachteil hatte, dass man nicht wie beim Funk alle Informationen unverzüglich an alle weitergeben kann. Auch ist aus Sicht der Polizei das Raumordnungskonzept noch Nacharbeit zu leisten.“